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Auszeiten die zweite...

Wie ich schon geschrieben habe, bin ich sehr aktiv – und kann Auszeiten mit Stille nur sehr schwer ertragen – dachte ich!

Ich habe erfahren dürfen, dass eine Auszeit nicht bedeutet, dass es still um mich sein muss, sondern es ruhig in mir werden kann…

Ich war im Wald, „im Holz“ wie man im Allgäu sagt. Mein Bruder hat als Landwirt viel Wald, der einiges an Pflege braucht. Seit Jahren hilft die Familie mit und wird mit Holz belohnt. Eine Arbeit, die auf Gegenseitigkeit beruht. Ich war also im Holz und lernte erstmal mit der Kettensäge umzugehen, ich lernte eine Kettensäge zu zerlegen, nachzutanken und zu pflegen und auch, einen Baum zu entasten und in transportfähige Stücke zu zerteilen. Die Arbeit erfordert Konzentration und – innere Ruhe. Zuhause wurde das Holz gespalten und geschichtet. Beim Aufstapeln des Holzes komme ich dann vollends zur Ruhe und den fertigen „Holzbeig“ (ich weiß wirklich nicht wie man das ins Hochdeutsche übersetzt) zu betrachten machte mich hochzufrieden.

Auszeiten können genau das sein: harte Arbeit, die einen aber aus dem Alltag holt. Für mich hatte es verschiedene Aspekte der Zufriedenheit: Da war der Wald – und wenn die Säge mal still war, war es die Ruhe und die Sonne, die durch die Bäume ein Schattenspiel auf den feuchten Waldboden warf.

Da war die Unterstützung für meine Bruder – der viel Arbeit hat und für die Hilfe dankbar ist.

Da war die Lernerfahrung – nicht nur mit dieser Kettensäge, sondern auch: Was kann ich mir zumuten? Und auch: Ich komme runter – ich entspanne, trotz körperlicher Arbeit.

Und da war natürlich die körperliche Arbeit – die fit hält und mich abends sehr müde ins Bett fallen ließ.

Dieser Unterschied: Die Stille im Kloster vor ein paar Wochen und die Arbeit im Wald. Beides Auszeiten, die mich innerlich ruhig werden ließ.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Erinnerungen - Lernerfahrungen

Ein Jahr – und die Nacht ist einem vor Augen, als wäre es erst gestern gewesen. Die Gefühle: Angst, Verzweiflung, Fassungslosigkeit.

Die Gerüche: Öl, Benzin, Schlamm…

Die Geräusche: Ein tosender Fluss „als wenn der Amazonas vorbeirauscht“ hat mir jemand später gesagt, Splittern von Holz, Krachen, wenn wieder etwas gegen Wände donnerte, Schreie…

Die Dunkelheit…

Wahrnehmungen einer Nacht, die unser Leben verändert hat – und heute?

Müdigkeit – aber Dankbarkeit – wir haben überlebt…

Trauer um die, die nicht überlebt haben.

Hoffnung und Zuversicht, aber auch Ungeduld und Frustration.

Wir haben Geduld gelernt, wir haben letztes Jahr wochenlang ohne Gas, Strom und Wasser gelebt – heute bin ich dankbar, dass wir diese Selbstverständlichkeiten wieder haben.

Ich habe gelernt, Selbstverständlichkeiten nicht mehr als selbstverständlich anzusehen – aber auch, dass wir ohne Gas und Strom eine Zeitlang zurechtkommen. Ich habe Geduld gelernt – und dass Fahrwege immer noch nicht „wie vorher“ sind – aber auch, dass Umwege entschleunigen. Ich habe gelernt, dass Nachbarn füreinander da sind – aber auch, dass sich Freundschaften bilden, sobald man auf Menschen zugeht. Ich habe gelernt, dass ich mir nie zu viel Sorgen machen kann – aber auch, dass ich vertrauen darf. Ich habe gelernt dankbarer zu sein.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Jahrestag

Wenn man im Computer das Suchwort „Jahrestag“ eingibt, kommen als Ergebnis Vorschläge zu Geschenken für verschiedene Anlässe.

Eigentlich fand ich dieses Ergebnis der Suche erfreulich, denn damit ist dieses Wort nicht direkt negativ belastet. Ein Jahrestag ist im Normalfall etwas, an das man sich gern zurückerinnert, ein Lebensereignis, wie eine Hochzeit, die Geburt eines Kindes, eine Priesterweihe oder die Eröffnung eines Geschäftes. Ein Jahrestag sollte Erinnerung sein, die eine festliche Begehung miteinschließt.

Bei den Suchwörtern „Jahrestag-Katastrophe“, erscheint als erstes Fukushima, Tschernobyl, die Loveparade und der 11. September. Die erschreckenden Bilder vor 21 Jahren, als die beiden Türme einstürzten habe ich noch vor Augen. Die Fassungslosigkeit, der Dinge, die da gerade passieren war auf der ganzen Welt spürbar. Fukushima jährte sich im März das 11. Mal. Diese und viele andere Jahrestage – schon einige Jahre und dennoch unvergessen. Bei Flutkatastrophe als Suchwort erscheinen als erstes die Ereignisse des letzten Jahres.

Wir begehen im Ahrtal und in Gebieten in Nordrheinwestfalen den ersten Jahrestag der Flut. Es ist bestimmt kein Jahrestag, an den man sich gern zurückerinnert und doch ist er präsent. Teils aus Fassungslosigkeit, teils aus Angst, teils aus Wut und Frust und zu einem Teil aus Dankbarkeit.

Denn ein Jahrestag aus einem solchen Anlass zeigt auch immer wieder auf, was noch da ist. Die Menschen, die zusammenhalten, das Wunder Natur, die sich immer wieder neu erholt, die Anteilnahme von Fremden, die zu Freunden geworden sind, die Trauer um Menschen, die uns lieb waren, die Trauer um Landschaft, die sich neugestaltet.

Ich persönlich begehe diesen Jahrestag nicht im Ahrtal – ich habe gemerkt, dass ich die Anteilnahme der Menschen dieses Jahr nicht brauche. Aber es ist keine Flucht – eher ein Rückzug in die Stille.

Ich habe mich dafür entschieden die Stille zu wählen, weil mir bewusstwurde, dass ich in diesem letzten Jahr viel zu danken hatte – vielleicht mehr als die Jahre zuvor. Vor allem dafür, dass für mich nie in Frage stand, wo Gott in dieser Katastrophe war, denn ich habe ihn gespürt – jeden Augenblick – in der Nacht, in den Tagen und Wochen danach und auch heute.

Ich erinnere gerne an die wahrscheinlich bekannte Geschichte von Margaret Fishback Powers von den Spuren im Sand:

Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“

Jahrestage sind Erinnerungen an Ereignisse, die unser Leben verändern. Sie können stark negativ belastet sein – sind aber dennoch immer eine wichtige Erinnerung.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

 

Vertrauensverlust

Die Krise der Kirche in Deutschland, die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, die dahinter verborgenen Fehltritte durch Vertuschung – niemand wundert sich über Austritte – eher wundert man sich, was einen noch an dieser Kirche festhalten lässt. Vertrauen verliert man viel schneller, als man es gewinnt. Und ist es einmal verloren – jeder weiß, wie schwer es ist, dieses wiederzuerlangen.

Da stellt sich doch die Frage: „Wo ist Gott?“, in einer Zeit der Kirchenkrise, der Entzweiung durch Kriege und immer heftiger werdenden Naturkatastrophen.

„Wenn dich ein Hungernder fragt: Wo ist Gott? – Dann gib ihm ein Brot und sage: Hier!“ Diese Worte hat Mahatma Gandhi geprägt. In einem Land voller Unterdrückung und Leid, Hunger und Not baut dieser Mann auf das Brot – und meint damit vielleicht genau das, was wir im Vaterunser beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute“.

Unser tägliches Brot umfasst nicht nur das gebackene Brot, das den Hunger stillt, sondern alles, was wir an Grundbedürfnissen haben, Kleidung, Nahrung, Zuwendung, Liebe, Schutz…

Und stellen wir jetzt mal die Einsetzungsworte der Eucharistie von Jesus daneben: „Nehmet und esset alle davon…“ dann ist es doch genau das, was wir als tägliches Brot brauchen, was unsere Kirche ausmacht: Jesus Christus – seine Botschaft – seine Begleitung. Darauf vertraue ich, daran halte ich fest.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Nähe suchen

Als ich heute Morgen aufwachte lag mein Kater eingekringelt auf meiner Handtasche, als würde er sie bewachen. Mir fiel ein, dass ich ihn irgendwann nachts ziemlich unflätig vom Bett geschupst habe, weil er unbedingt spielen wollte. Vielleicht wollte er auch nur meine Nähe. Er hat sich dann meine Tasche als Ersatz genommen. Wenn ich darüber nachdenke, ist er in dieser Beziehung sehr „menschlich“. Ich war nicht greifbar – oder wollte nicht, da sucht er sich einen Ersatz der ihn an mich erinnert. Ich ertappe ihn oft, dass er auf meinem Pullover, Jacke oder meiner Kuscheldecke liegt, wenn ich nach Hause komme. Ich mache es ähnlich: Ich habe Dinge und Bilder von Erinnerungen an Menschen, denen ich nicht jederzeit nahe sein kann. Nähe suchen ist ein Bedürfnis, dass jeder hat. Meine Katze ist da sehr aufdringlich – aber auch sehr bestimmt – und wenn es nicht geht, dann sucht er sich Erinnerungsstücke, die er „bewachen“ kann – menschlich!

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Pfingsten - Gaben

Die sieben Gaben des Heiligen Geistes in den vergangenen Monaten – bei den Menschen – bei mir:

Weisheit –Was wir gelernt haben: Wir wissen nicht alles – weder über die Pandemie, noch über die Ursache der Flutkatastrophe. Aber wir haben Lebenserfahrungen machen müssen. Vielleicht werden diese Erfahrungen unseren Mitmenschen und uns eines Tages als Weisheit dienen.

Einsicht – „Hinter die Dinge sehen“, die Welt verstehen. Mit dieser Gabe habe ich in den letzten Monaten meine Schwierigkeiten gehabt. Ich versuche, die Dinge so anzusehen, wie Gott sie ansieht und sehe trotzdem oft noch keinen Sinn an dem Leid.

Guter Rat – Es gab viel guten Rat in den letzten Monaten. Für mich blieb davon: Kommt der gute Rat aus dem Geist? Abwägen, beurteilen, folgern. Guter Rat waren die vielen Helfer, die ohne zu überlegen anpackten – Viel Geist in den vielen guten Taten.

Erkenntnis – Gott geht es bei dieser Gabe um die große Liebe zu den Menschen. „Gott sah, dass es gut war“ (Genesis 1,12.18.21.25). Es geht im Flutgebiet beim Wiederaufbau viel um Umweltschutz, um Achtung der Schöpfung. Ich habe in der Pandemie gelernt, dass sich der Schutz des Lebens, die Gefahr der Ansteckung oft nicht mit einem würdevollen Sterben im Beisein der Familie vereinbaren lässt. Achtung und Würde vs. Einsamkeit und Alleinsein.

Gottesfurcht – Respekt vor Gott und seiner Schöpfung. Achtsamkeit. Was habe ich aus der Gabe der Erkenntnis gelernt?

Frömmigkeit – Meine Verbundenheit zu Gott. Sie kann viel aushalten, denn Gott gibt nicht auf und ich habe erkannt: Ich auch nicht!

Doch ganz egal, wie ich die einzelnen Gaben für mich gedeutet habe: Ich habe in den letzten beiden Jahren viel Geist gespürt. In meinen Nächsten, in den Familien, bei den Helfern und bei völlig Fremden, die zu Freunden wurden.

Ich danke Gott für seinen Geist!

Wirke in uns!

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Glück- und Segenswünsche

Zu meinem 50. Geburtstag bekam ich viele Glückwünsche und einige davon waren verbunden mit dem Wunsch, Gottes reichen Segen für meinen weiteren Lebensweg zu erhalten. Ich darf sagen, ich blicke auf viele segensreiche Momente in meinem Leben zurück, nicht zuletzt die letzten Jahre, in denen ich als Gemeindereferentin Dienst tun darf.  Ein Segenswunsch den mir andere zusprechen ist für mich etwas ganz Besonderes. Als ich ein kleines Mädchen war verließ ich das Haus meiner Großmutter niemals, ohne dass sie mir mit Weihwasser ein Kreuz auf meine Stirn zeichnete.

Gesegnet sei dein Weg – komm gesund wieder.

Ich habe mir angewöhnt, in Glückwunschkarten diesen Segenswunsch mit aufzunehmen und zwar nicht nur bei Menschen, von denen ich weiß, dass sie Gott nahe sind, sondern gerade auch bei jenen, von denen ich weiß, dass Glaube ihnen fremd geworden ist. Bisher bin ich noch nie von jemandem darauf angesprochen worden.

Segenswünsche gehören zu unserem Leben. Aber ich muss gestehen, noch nie habe ich mir so wirklich Gedanken darüber gemacht, wie tiefgreifend ein Segenswunsch ist.

Ich wünsche dir Gottes reichen Segen - ein Wunsch, der einem sagt, du bist mir wichtig, ich möchte, dass dir Gutes widerfährt und du von Gott behütet wirst.

Ich wünsche dir Gottes reichen Segen – keine Floskel die man einfach so sagt, sondern ein bewusster Wunsch um Begleitung.

Ich wünsche dir Gottes reichen Segen – dass dir mit Gottes Hilfe vieles gelingt.

Ich wünsche dir Gottes reichen Segen – auch für das, was misslingt, dass du es Gott hinhalten kannst und nicht verzagst.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger