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Seelsorge

Ich habe als Kind mit diesem Begriff nichts anfangen können. Für mich waren Seelsorger Menschen, die sich um Trauernde und Kranke gekümmert haben. Doch wie sich alles entwickelt, hat sich auch dieses Wort für mich in seiner Bedeutung geändert. Seel -Sorge: Sich um die Seele sorgen, sich kümmern. Dazu gehört aber auch, seine eigene Befindlichkeit, seine eigene Seele im Blick zu haben. Auch ich als Seelsorger brauche Seelsorge. Manchmal kann ich mein eigener Seelsorger sein, nämlich dann, wenn ich merke, dass ich zu müde werde, unkonzentriert bin und sich Stress in mir breitmacht. Dann ist eine gute Eigenseelsorge zu erkennen, dass es zu viel ist und dann aber auch zu handeln und zurückzuschrauben.

Beispiele für eigene Seelsorge sind bei mir:

Einen Kaffee trinken mit einer Freundin. Keinen Kaffee-to-go, sondern so richtig mit hinsetzen und Zeit haben.

Eine Kuscheleinheit mit meiner liebesbedürftigen Katze – Seelsorge für mich.

Ein Spaziergang mit dem Ziel schöne Flecken zu entdecken und über die Narben des vergangenen Jahres hinwegsehen.

Ein Besuch in einer Kirche, in eine Bank sitzen und die Augen schließen – da sein vor Gott.

Ein Telefonat mit meinen Eltern – Austausch und Fürsorge für beide Seiten.

Ein Nachmittag mit meinen beiden kleinen Nichten. Denn Kinder entdecken die Welt nochmal neu für mich und freuen sich an Dingen, die für mich schon selbstverständlich geworden sind.

Aber auch: Besuch bei einem Seelsorger. Die Themen meines Lebens mit jemandem in den Blick nehmen, der sich mit mir um meine Seele kümmert.

Und zu guter Letzt: Alles Gott hinhalten – Vertrauen.

Ich wünsche ihnen viele Möglichkeiten für eigene Seelsorge. Sorgen sie für sich!

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Muttertag

Für mich ist Muttertag, wenn mich meine Tochter anruft und nach einem Rezept fragt. Sie sagt mir damit: Mama, bei dir schmeckt es so gut, ich vermisse das und möchte es versuchen so gut zu machen wie du.

Für mich ist Muttertag, wenn mein Sohn sich nach der Schule bei mir auskotzt. Wenn er mir von seinen Sorgen, von dem was ihn ärgert erzählt. Er sagt mir damit: Du bist Teil meines Lebens. Ich bin zwar ein pubertierender Teenager, aber ich weiß, was ich an dir habe.

Für mich ist Muttertag, wenn meine Kinder merken, wenn es mir nicht so gut geht und sie Arbeiten im Haushalt übernehmen um mich zu entlasten. Sie sagen mir damit: Wir nehmen dich wahr. Du bist keine Maschine und darfst auch mal krank sein.

Für mich ist Muttertag, wenn eins meiner Kinder mich anruft und mir von einem schönen Erlebnis, von einem Erfolg erzählt. Sie sagen mir damit: Schau, du hast es mir vorgelebt. Ich habe es geschafft. Danke dass du mir die Stange hältst.

Für mich ist Muttertag, wenn meine Kinder einen Rat von mir wollen. Sie sagen mir damit: Du hast Erfahrung. Ich brauche Dich. Ich schätze deinen Rat. Bitte hilf mir.

Für mich ist Muttertag am Muttertag. Denn schon Tage vorher überlegen die Kinder, was an diesem Tag geplant werden kann, womit sie mir eine Freude machen können. Sie zeigen mir damit, dass sie wohl wissen, was sie an mir haben, auch wenn sie es das Jahr über nicht so zeigen.

Ich könnte diese Beispiele jetzt auch auf meine Mutter anwenden: Ich bin dankbar, dass ich sie habe. Denn durch sie konnte ich erfahren was Mutter - Sein bedeutet und diese Werte an meine Kinder weitergeben.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Grenzen

Grenzerfahrungen ziehen sich von Beginn an durch die Bibel. Abraham, Moses, Paulus – sie überwinden in ihrem Leben immer wieder Grenzen. Doch ein Buch erzählt in besonderer Weise davon, das Buch Ruth.

Es beschreibt das wechselhafte Leben von Ruth, die Grenzerfahrungen wie Hungersnot, Witwendasein, Fremde und Heimatlosigkeit bis hin zur Perspektivlosigkeit durchleben muss. Auf ihrem Weg wird sie treueste Begleiterin von Noomi, und sichert durch ihre Ausdauer und Liebe zu ihrer Schwiegermutter, ihrer beider Zukunft.

Beide haben einen schweren Weg vor sich. Beide sind zu Witwen geworden, sind mittellos und suchen in ihrer alten Heimat eine Zukunft. Noomi möchte allein gehen, doch Ruth weicht ihr nicht von der Seite. Sie vertraut ihrer Schwiegermutter und lernt Gott kennen und lieben. Dieses Vertrauen in Gott zieht sich durch das ganze Buch.

Ruth beweist Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit und schafft es durch tägliche Zuverlässigkeit die Zukunft beider Frauen zu sichern.

In unserem eigenen Leben – in unserer Kirche, Umwelt und Privat sind wir vielen Grenzerfahrungen ausgesetzt. Flut, Krieg, private Rückschläge – es ist, eine Art Hungersnot – ein gewisses Sterben von Gewohntem. Auch wir sind immer wieder auf einem mühsamen Weg. Eine gewisse Perspektivlosigkeit, Frustration und Müdigkeit sind keine Seltenheit.

Trotzdem ist mir das Buch Ruth eine große Hilfe. Die Treue und Liebe dieser beiden Frauen möchte ich heute den Menschen zusprechen.

Die Treue und Liebe zu den Menschen, die mit uns auf dem Weg sind können motivierend wirken. Und dann ist da noch jemand, dem ich vertraue, der sich immer wieder den Menschen zuwendet, selbst wenn diese sich abwenden. Gott gibt nicht auf, darauf vertraue ich – Gott selbst ist der Grenzenüberwinder, unser Begleiter, auch wenn wir ihn oft nicht wahrnehmen - und das zieht sich doch durch unser ganzes Leben.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Frühlingshoffnung

Wie wundervoll ist die Natur!
Man sieht so viele Blüten,
auch sieht man Schafe auf der Flur
und Schäfer, die sie hüten.
Ein leises Lied erklingt im Tal:
der müde Wandrer singt es.
Ein süßer Duft ist überall,
bloß hier im Zimmer stinkt es!

So schreibt Heinz Erhard in seinem Gedicht. Mir geht es so: mir stinkt es, der lange Winter mit seinem Grau und seiner Ungemütlichkeit.

Die Natur in der Grafschaft ist meine neue Tankstelle geworden. Selbstverständlich wusste ich immer, dass es dort grüner ist als im Ahrtal, schon allein, weil im Ahrtal Weinreben stehen und wenig Wiesen vorhanden sind, aber noch nie fiel mir das so extrem auf. Während im Tal die Blumen und Gräser langsam das Grau und Braun der Zerstörung mit schöneren Farben schmückt, ist in der Grafschaft über die schönen Sonnentage die Natur explodiert. Es blüht und grünt in den schönsten Farben – eine Wohltat für die Seele.

Wir brauchen dieses „Aufblühen“. Die Natur mit ihren Farben und Gerüchen. Nach dem Grau des Winters ist das Erblühen der Natur eine Art Auferstehung. Diesen Kreislauf, so habe ich das Gefühl, macht auch unsere Seele mit. Im Winter ist „Ruhezeit“, es ist dunkel und kalt. Umso mehr sehnen wir uns nach Sonne, Frühling und dem Aufenthalt im Freien. Die Seele tankt auf. Sie erblüht mit der Natur und motiviert Körper und Geist für das, was kommt. Fast so, als würden wir aus dem Winterschlaf erwachen…

Viele sonnige und blühende Tage wünscht Ihnen

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Ostermorgen

Etwas verärgert war ich heute morgen, als mich meine beiden Katzen aus dem Bett trieben. Ihnen ist egal, dass ich, heimgekommen aus der Osternacht, erst spät ins Bett ging, auch, dass heute Sonntag ist und ich frei habe. Sie hatten Hunger – zur gewohnten Zeit (halb sieben).

Als ich im Badezimmer das Fenster öffnete hörte ich einen Vogel singen – nicht das Gezwitscher, das ich sonst jeden Tag höre, sondern einen wunderschönen Gesang. Sofort änderte sich meine Verärgerung in Erinnerung und Staunen. Genau das haben wir gestern in der Impulspredigt zur Lesung und zum Evangelium den Menschen nahebringen wollen. Alles hat ein Positiv gegenüber. Tod-Leben, Sklaverei-Freiheit, bei den Jugendlichen waren es die Nöte der Zeit, Corona, Krieg, Flut, aber auch persönliche Probleme. Sie wurden verwandelt in Solidarität, Hoffnung und Gemeinschaft. Und am Ende die Auslegung der Botschaft der beiden Gestalten im leeren Grab: dass wir uns an Dunkelheiten erinnern müssen damit wir das Licht der Auferstehung erkennen.

Mein Ostermorgen begann früh und verärgert. Aber nur so konnte ich diesen Vogel hören, der sang, als gäbe es nichts Schöneres als diesen Morgen. Er hat recht. Ich werde ihn jetzt meinen „Ostervogel“ nennen und mich daran erinnern – beim nächsten Mal.

Ich wünsche allen gesegnete Ostern und einen „Ostervogel“

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

"Selig seid ihr"

Gestern in der Andacht in der Fastenzeit zum Thema Frieden habe ich eine Rede von Astrid Lindgren vorgelesen (Gern nachzulesen in dieser PDF). Sie redet über den Frieden und wo er anfängt.

Ich habe in diesem Gottesdienst ihrer Rede die Bergpredigt Jesu gegenübergestellt. In der aktuellen Situation, mit einem Krieg im Nachbarland haben für mich die Seligpreisungen eine noch höhere Bedeutung erlangt. Barmherzigkeit, reine Herzen, Sanftmut, Trauer, Gerechtigkeit, Verfolgung, Erbe, Himmelreich und Frieden sind die Schlagworte Jesus´ Rede. Und der für mich zentrale Satz: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“.

Gott schaut auf die, die nichts haben, die Not leiden und trauern und er schaut auf die, die Barmherzigkeit zeigen, sich für die Gerechtigkeit einsetzen und Sanftmut beweisen. Arm sein vor Gott – sind wir das nicht alle? Denn das Land, um das auf Erden gekämpft wird, ist nicht unser Erbe. Gott denkt in anderen Kategorien. Als Christen glauben wir an ein Erbe, das uns im Reich Gottes versprochen ist.

„Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“ – unser Erbe.

Astrid Lindgren zitiert in ihrer Rede einen Satz von Goethe: „Überall lernt man nur von dem, den man liebt.“ Am Ende ihrer Rede steht ganz großgeschrieben „Niemals Gewalt!“ Liebe und Gewalt passen nicht zusammen. Gewalt macht sich andere gefügig, unterdrückt und ist nur dafür da, die eigene Machtposition zu stärken.

Liebe hingegen lässt frei. Liebe schenkt Frieden.

Nicht so einfach, wenn man an das Leiden der Menschen in der Ukraine denkt. Menschen, die sich wehren, für ihr Land kämpfen und Gerechtigkeit fordern. Eine liebevolle Einigung ist da nicht mehr möglich. Doch auch auf Seiten von Russland gibt es Menschen, die gegen diesen Krieg demonstrieren, sich für ihr Nachbarland einsetzen – und dafür verhaftet werden. Sie sind ein Beispiel für die Rede der Bergpredigt: „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit…“ und keine Gewalt anwenden (müssen).

Friede beginnt da, wo Liebe anfängt.

„Niemals Gewalt“ habe ich gestern bei der Andacht als Schlussbild gesetzt. Ich glaube, dem ist nichts hinzuzufügen.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger