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Wilkommen in der Pfarreiengemeinschaft Grafschaft

Aktuelles

Hier finden sie die neuesten Bestimmungen und Schutzkonzepte zur Corona-Pandemie.

Impulse und Videos

Artikel zu Veranstaltungen, absolut lesenswert!

Wahl der Räte 2021

Information zur Wahl der Räte von Pfarrer Alexander Burg und Anita Schneider, Vorsitzende des Pfarreienrats: hier klicken

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Uhrzeitänderung!

Wichtige Information!

Das Festhochamt zum Patronatsfest am 19. September in Lantershofen beginnt um 9.30 Uhr!

Impulse und Videos

Brücken bauen

In der Flutnacht war ich von meiner Familie getrennt, weil die Feuerwehr die Brücken sperrte. Am nächsten Morgen kam ich nicht zu meiner Familie, weil die Brücken von der Wucht dieser Naturgewalt zerstört wurden. Das Handynetz war unstabil… Ich weiß mittlerweile was es bedeutet, keinen Kontakt aufbauen zu können, die Ängste und Befürchtungen, die man dabei empfindet und welche Umwege nötig sind, wenn Brücken nicht vorhanden sind.

Auch Handys sind Brücken…Brücken für Kontakt. Wir haben in den letzten Wochen viele Brücken gebaut, emotionale Brücken, Helfende-Hände-Brücken, Kontakte mit Nachbarn-Brücken, Seelsorge-Brücken. Noch nie waren Brücken so wichtig wie jetzt. Brücken bringen Menschen zusammen. Eine schwimmende Notbrücke bringt 2000 Schülerinnen und Schüler auf dem Kalvarienberg zusammen, sie verbindet Freunde, die sich tage- und wochenlang nicht gesehen haben…ich könnte unzählige Beispiele bringen.

Am Ahrtor wird bald eine befahrbare Brücke eröffnet. Was für ein Segen! Eine Brücke, die verbindet und das Leben erleichtert!

Danke an alle, die Brücken bauen, mit Zuhören, Gesprächen, Anpacken und Helfen!

Herzlichst ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Zerstörte Heimat

Ich habe in meinem Büro das „alte“ Hungertuch wieder aufgehängt. Das Bild tröstet mich. Die Hoffnung – Gott als goldener dicker Kreis umschließt unsere zerstörte Heimat. Die Blutstropfen Christi auf unserer Erde. Ein Bild für mich, das mir sagt: Jesus ist da, er leidet mit uns und steht mit uns zwischen den Trümmern. In den betroffenen Orten der Grafschaft genauso, wie im Ahrtal.

Es tröstet mich!

Herzlichst und mit Hoffnung im Herzen eure Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Einschulung

Wir durften heute viele neue Erstklässler in den Schulen der Grafschaft mit dem Segen Gottes willkommen heißen. Zusammen mit der evangelischen Pfarrerin Elke Smidt-Kulla und mir, Gemeindereferentin Sabine Dettinger, feierten wir in Gelsdorf einen Gottesdienst zum Thema „Wachsen“. Früchte wie: Freundschaften, Vertrauen, gute Lehrer und viele mehr wurden an einem Baum gestaltet und in einer Katechese mit dem Schuleinstieg verbunden. Über die Kinder wurde der Segen gesprochen, der durch Auflegen der Hände eines Elternteils spürbar wurde. In Leimersdorf bekamen die Kinder im Gottesdienst ein Rucksack mit den wichtigsten Utensilien für einen Weg durch die Schulzeit gepackt. Neben einer Karte und einem Kompass für Orientierung, einer Dose mit Proviant, einem Seil für Sicherheit und Vertrauen durfte ein Handy für Kontakt zu den Freunden, Lehrerinnen und Lehrern und Eltern nicht fehlen. Diese Bild wurde mit einem Segen für die Reise in die Grundschulzeit ergänzt. Ähnlich wie in Gelsdorf machten die Eltern durch Handauflegung den Segen Gottes für die Kinder erfahrbar. Ringen begrüßte die Kinder mit einer Feier auf dem Schulhof. Die Viertklässler gaben ihr „Patenversprechen“ ab und auch hier bekamen die neuen Erstklässler den Segen Gottes mit auf den Weg.

In Gelsdorf wurde heute auch die Erste Klasse der Grundschule Dernau mit eingeschult. Mit dabei war Gemeindereferentin Martina Gilles aus der Pfarreiengemeinschaft Altenahr, die den Gottesdienst für die Schülerinnen und Schüler aus Dernau, Rech, Mayschoß und Gelsdorf herzlich mitfeierte.

Die Schülerinnen und Schüler aus der Grundschule Dernau sind auf die drei Grundschulen in der Grafschaft verteilt und wir hoffen, dass sie sich in den nächsten Wochen gut einleben und so einen halbwegs normalen Schulalltag erleben dürfen.

Allen Schülerinnen und Schülern wünschen wir Gottes Segen und einen guten Start.

Herzlichst, im Namen des Seelsorgeteams, ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Betroffen

Immer wieder werde ich gefragt: Bist du schwer betroffen?

Da stellt sich mir die Frage: Was bedeutet – schwer betroffen? Ja, einige haben das Glück, ihre Wohnung noch zu haben. Vielleicht haben sie auch aus einer Intuition heraus ihr Auto auf den Berg gefahren und haben auch das retten können. Ja, manche haben keinen oder nur wenig materiellen Schaden erlitten. Aber ich bin der Meinung, dass jeder, der im Ahrtal wohnt und sogar die, die nicht dort wohnen aber dort ihre Kindheit und Schulzeit verbracht haben, betroffen sind. Wir stehen in einer zerstörten Landschaft, die unsere Heimat ist. Wir kennen die schöne Ahr, die Wanderrouten und Weinfeste und wissen heute nicht mehr, wo die Wege hinführen, wann sie zur Sackgasse werden. Und: Wir trauern um liebe Menschen.

Unsere Heimat hat sich verändert und wird nie wieder so, wie sie vor dem 14. Juli war. Dennoch sind wir daran, in die Zukunft zu schauen. Es wird. Wir schaffen das – mit Betroffenheit, aber auch mit viel Mut und Zuversicht – und Gottes Hilfe!

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Hilfsbereitschaft

Ich habe mit zwei meiner Kinder eine Auszeit im Allgäu genommen. Bei einem Stadtbummel wurden wir auf Autohupen aufmerksam. Vorn in der Schlange stand ein kleines Auto mit einer älteren Dame, die von der Huperei sichtlich nervöser wurde. Keiner der hinten stehenden stieg aus und schaute nach dem Rechten. Ich ging zu ihr und bot ihr meine Hilfe an. Schnell war klar, dass es ein Kupplungsschaden war. Ich bat einen jungen Mann, beim Schieben zu helfen, was er auch ohne zu zögern tat. Wie sich später herausstellte, war die Frau 80 Jahre alt und zum Einkaufen vom Dorf in die Stadt gefahren. Meine Kinder und ich blieben bei ihr, trotz strömenden Regens und halfen ihr, alles zu regeln. Immer wieder sagte sie, wir müssten nicht warten, ihr Mann sei unterwegs. Dennoch blieben wir. Als ihr Mann dann da war, sah man sie sichtlich gelöst und erleichtert – und sehr dankbar, dass wir geblieben sind.

In der Stunde, in der wir zusammen auf der Straße standen wurde viel erzählt. Ich bin überrascht, was man alles erfährt, nur wenn man zusammen wartet. Sie von uns und wir von ihr. Die Begegnung mit dieser Dame hat mich sehr berührt und beschäftigt mich heute noch. Eine liebe Dame, selbständig und dankbar. Sie hätte die Situation auch allein gemeistert – irgendwie, aber sie war überglücklich, dass jemand da war, der ihr zur Seite stand.

Die Autofahrer, die in der Kemptener Innenstadt hupten kamen übrigens nicht von da – ungeduldig und laut wollten sie auf sich aufmerksam machen. Meine Tochter sagte dazu nur: Was bringt es? Einmal hupen ist ja ok, wenn jemand „pennt“, aber dann muss doch klar sein, dass etwas nicht stimmt – und keiner steigt aus?

Unverständlich!

Hilfsbereitschaft setzt Verständnis und Aufmerksamkeit voraus. Verständnis für die Notlage und Aufmerksamkeit diese zu erkennen. Wir erleben das im Ahrtal. Ich bin froh darüber. Und ich danke für diese Begegnung und die Möglichkeit, für diese Dame zu dieser Zeit an diesem Ort gewesen zu sein, rein zufällig.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Fliegen

Ein Rundflug über den Alpen. Zwei glückliche Jugendliche stiegen nach 50 Minuten aus dem kleinen Flugzeug. Man sah es ihnen an, wie gut es getan hat. Abheben, mal über den Dingen sein, Abstand zum Boden haben, Träumen und den Alltag vergessen. Ich danke, dass es geklappt hat. Wir haben einen Tag mit gutem Wetter zum Fliegen erwischt. Die beiden müssen wieder nach Hause ins Ahrtal, aber diese Erfahrung werden sie mitnehmen. Ein bisschen Abstand konnte ich ihnen geben. Kurz die Sorgen vergessen, wie alles weitergeht und wie der Schulalltag sich gestalten wird.

Ich wünsche allen wenigstens kurze "Auszeiten", um mal den Kopf frei zu bekommen.

Herzlichst, ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Wasser und Schlamm

Ich möchte ihnen heute, 13 Tage nach der Katastrophe keinen Impuls schreiben. Die Eindrücke in Ahrweiler werden die Menschen und auch mich langhaltig prägen. Ich selbst wohne in der Schützbahn und Ursula Richter auf dem Kanonenwall. Es geht uns gut, das mal vorweg! Die Wasser und Schlammmassen haben viel zerstört. Die Menschen arbeiten an der Beseitigung des Schlamms und Unrates ununterbrochen. Viele Helfer bieten selbstlos ihre Hilfe an. In vielen Häusern werden mit Presslufthammer die Wände freigelegt, Estrich und Boden herausgebrochen und mit Schubkarren auf die Straße gebracht. Es ist viel körperliche, schwere Arbeit zu leisten und wird geleistet! Jeder packt mit an. Die Nachbarschaft hilft sich gegenseitig, unterstützt, tröstet...

Ich gehe abends durch die Straßen und sehe, was alles geschafft wurde. Unser schönes Ahrweiler/Ahrtal ist momentan nicht mehr schön, es ist geschunden und leckt seine Wunden. Die Altstadt im Herzen Ahrweilers liegt abnds dunkel da - wie ausgestorben. Dennoch sind die Menschen hier, Aggregate laufen auf Hochtouren und versorgen mit Notstrom. Mittlerweile ist alles nur noch "Rohbau". Die am Schlimmsten betroffenen Häuser müssen abgerissen werden. Für die Betroffenen ein großer Schlag. Viele Häuser sind Lebenswerke...

Es gibt noch viel zu tun. Ich danke allen, die unterstützen - auch mit Kleinigkeiten! Ich denke da an die Messdiener und Küsterinnen, die Lebensmittel gespendet haben, die Kaffe nach Ahrweiler brachten, einkauften, kochten, einsprangen, wo es nötig war, an meine beiden Engel Gabi Hasenberg und Elisabeth Gebhard, die jeden Morgen etliche Kannen Kaffe noch vor Dienstzeit kochten, an Pastor Burg, der uns selbstlos unterstützt und Duschmöglichkeiten und Waschmaschine zur Verfügung stellt und nicht zuletzt an alle Helferinnen und Helfer, die im Einsatz waren und noch sind.

Durch viel Solidarität und gegenseitige Hilfe werden wir auch das schaffen, damit unser schönes Ahrtal wieder schön wird!

Herzlichst und dankbar ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger