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Wilkommen in der Pfarreiengemeinschaft Grafschaft

Aktuelles

Adventaktionen

Hier finden sie die neuesten Bestimmungen und Schutzkonzepte zur Corona-Pandemie.

Impulse und Videos

Artikel zu Veranstaltungen, absolut lesenswert!

Start der Firmvorbereitung

Am 12. November fand die Auftaktveranstaltung der diesjährigen Firmvorbereitung statt. Nachdem die Jugendlichen zusammen den Film „Herr der Ringe – die Gefährten“ angeschaut hatten, tauschten sie sich über Themen aus, die in diesem stecken. Dabei kamen sie ins Gespräch, welche Themen ihr eigenes Leben berührten und erkannten Parallelen in den Filmszenen. Schlagworte wurden gesammelt und werden nun in den nächsten Treffen weiter behandelt. In Andachten und Weg-Gottesdiensten werden die Themen der Großtreffen nochmal aufgegriffen und mit biblischen Texten in Verbindung gebracht. Zu diesen „Spirituellen Auszeiten“ sind alle Interessierten (losgelöst von der Firmvorbereitung) herzlich eingeladen! Termine entnehmen sie bitte aus dem Pfarrbrief.

Impulse und Videos

Zu langsam

Immer wenn ich aus dem Allgäu (dem schönen Allgäu) zurückkomme – zurück in die Baustellen des Ahrtals, merke ich, dass ich (wieder) immer ungeduldiger werde. Es scheint, als geht nichts voran. Bauzäune, Löcher, kaputte Fassaden, gesperrte Wege…

Und ich merke dann Frust in mir aufkommen. Baulärm in jeder Ecke, Staub, Dreck.Ich will nicht ungeduldig sein – mir geht es gut, den Meinen auch und wir wollen optimistisch in die Zukunft schauen.

Und dann fiel mir ein, dass selbst Jesus nicht immer alles klaglos hingenommen hat. Jesus hat im Tempel aufgeräumt – und zwar ziemlich rigoros. Er warf die Marktleute raus. Der Tempel war das Haus seines Vaters, der Ort, an dem die Menschen (in Ruhe) mit Gott sprechen konnten, der Ort, sich zu sammeln, zur Stille zu kommen, der Ort, die Last des Alltags hinter sich zu lassen, um sich stärken zu lassen für die Aufgaben, die sich stellen.

Und wenn nun Orte, die Kraft gespendet haben über Monate und Jahre nicht mehr das sind – Kraftquellen?

Vielleicht muss man manchmal rigoros sein, damit sich was ändert – und wenn dies die Situation nicht erlaubt muss man vielleicht andere Orte suchen, oder (wieder mal) den Blickwinkel ändern:

Im Leben gilt doch immer: Es gibt Dinge, die kann ich ändern und meistens liegt es an mir selber, wie ich die Situation betrachte. Selbst Jesus hätte die Situation im Tempel auch anders betrachten können: Durch die Marktleute kamen evtl. viel mehr Menschen als üblich zum Tempel…wer weiß? Und sie hatten vielleicht – anders als auf dem Marktplatz – ein kleines Gebet gesprochen. Jesus handelte einfach – menschlich…

Ungeduld ist menschlich – doch ich merke für meinen Teil, egal ob ich im Stau stehe, Arbeiten nicht weitergehen, in der Arbeit etwas nicht klappt oder es in der Familie Probleme gibt – Ungeduld hat mich noch nie weitergebracht.

Es heißt nicht umsonst: In der Ruhe liegt die Kraft!

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

 

Nachtspaziergang

Es wird früh dunkel. Ein Spaziergang nach 19 Uhr gleicht einer Nachtwanderung. Ich bin die Ahr entlang nach Walporzheim gegangen. Früher kannte ich die Wege blind. Jeder Riss, jede Unebenheit, jedes Brückengeländer war mir vertraut. Heute fehlen Geländer, Flatterbänder und Absperrungen verhindern, dass man vom Weg abkommt. Und manchmal ist da einfach noch ein Loch…

Wege in unserem Leben können vertraut sein. Wir kennen unsere Zielrichtung, müssen nicht viel abweichen, haben Vertrauen in unseren Weg. Bis etwas unerwartetes geschieht. Dann werden Wege anders. Die Richtung wird in Frage gestellt, Hindernisse, die vorher nicht da waren, machen das Ziel schwerer erreichbar.

Und plötzlich sind da andere Wege und je öfter man sie geht, desto vertrauter und begehbarer werden sie. Das Ziel tut sich wieder auf – auf Umwegen vielleicht und mit Schwierigkeiten, die überwunden werden müssen – aber es ist im Blick.

Lassen sie sich nicht von ihren Wegen abbringen, hinter dem Hindernis geht es weiter!

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

 

Herbst

Gestern fuhr ich mit dem Fahrrad durch die Weinberge. Sie sind zum größten Teil abgeerntet, nur ein paar vereinzelte tragen noch Trauben. Die Blätter verfärben sich langsam und es ist schon kühl auf dem Rad. Ganz anders als vor ein paar Wochen, wo uns die Hitze nicht loslassen wollte.

Der Herbst kommt – und mit ihm geht der Sommer. Ich trauere den warmen Abenden ein bisschen nach. Als absoluter Sommerfan fällt es mir schwer, die Wärme, Helligkeit und Lebendigkeit der Tage loszulassen. Es ist abends schon früh dunkel und kühl. Mir fällt auf, dass ich im Sommer keinen Gedanken an den Herbst hatte, aber jetzt im Herbst schon daran denke, dass der Winter kommt. Es wird dunkel, feucht, kalt und – ruhiger.

Und eigentlich – wenn ich so drüber nachdenke – freue ich mich doch: Warme Socken, Couch, Glühwein, kuschelige Abende (die Katzen stromern weniger draußen rum, sondern bleiben zu Hause) – auch die kalte Jahreszeit hat ihre Vorzüge.

Die Natur muss ausruhen, Winterschlaf. Die Ernte ist eingebracht und es gibt Grund zu danken. Danken bedeutet, den Blick auf das Positive zu werfen. Danke für die Ernte, danke für den schönen Sommer, danke für einen sonnigen Herbst mit bunten Farben, danke für das, was dieses Jahr geschafft wurde. Beim Danken treten die Sorgen des kommenden Winters, mit hohen Energiepreisen und (immer noch) in vielen Teilen des Ahrtales, unfertigen Wohnungen, etwas in den Hintergrund. Danke, für das, was war und geschafft ist und vielleicht können wir an Silvester für einen nicht zu harten Winter danken.

Dankbar, ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Es geht mir gut

Neulich traf ich eine Bekannte, die mich fragte, wie es mir geht. „Gut“ sagte ich und erst hinterher wurde mir bewusst, dass wir sehr oft auf diese Frage mit „Gut“ antworten – selbst wenn es vielleicht nur „so lala“ ist.

Doch weitergedacht und reflektiert möchte ich meine Stimmung und meine Überlegungen gerne mit euch teilen:

Mir geht es gut, wenn es meiner Familie gut geht – aber auch, wenn es Auseinandersetzungen gibt, die sich regeln lassen.

Mir geht es gut, weil ich merke, dass die Baumaßnahmen weiter gehen, jeden Tag ein kleiner Schritt vorwärts – aber auch, wenn die Maßnahmen mal stillstehen müssen. Hauptsache es geht weiter und nicht zurück.

Mir geht es gut, wenn ich mich auf die Arbeit freue, was ich, seit ich Gemeindereferentin bin, jeden Tag tue – aber auch und selbst dann, wenn ich Überstunden mache.

Mir geht es gut, wenn ich Nachbarn treffe und mir die Zeit nehmen kann, kurz Pause zu machen um ein Gespräch zu führen, ein kurzes Hören und Fühlen, wie es ihnen geht – aber auch, wenn ich nur kurz winke und sehe, dass es auch da weitergeht.

Mir geht es gut, wenn ich Auszeiten in der Natur nehmen kann, eine Wanderung, ein Spaziergang oder einfach nur in der Sonne sitzen und genießen – aber auch in der Stille, im Gebet.

Mir geht es gut, wenn ich für Menschen da sein kann, ohne auf die Uhr zu sehen, weil der nächste Termin ansteht – aber auch, wenn mein Terminkalender voll ist und ich abends merke, wie produktiv ich war.

Mir geht es gut, wenn es aufhört zu regnen – aber auch, wenn ich bei Regen eingekuschelt auf dem Sofa mit meiner Katze sitze.

Mir geht es gut, wenn ich ein Buch lese und in andere Welten eintauchen kann – aber auch, wenn ich einen schönen Film genießen kann.

Mir geht es gut, weil die Coronabeschränkungen ein vernünftiges Maß angenommen haben – aber ich kann gut mit der Maskenpflicht ab Oktober leben – aus Rücksicht und Vorsicht.

Mir geht es gut, obwohl auch ich die Umstände, Ängste und Betroffenheit der Flutnacht noch nicht verdaut habe.

Selbstverständlich gibt es Schatten zu diesen Sätzen: Der Krieg, Krankheit und Trauer lassen auch mich spüren, dass „Es geht mir gut“ nicht immer und für alles anwendbar ist. Ich könnte diesen Aufzählungen bestimmt genauso viel „Mir geht es schlecht…“ hinzufügen.

Doch ist es nicht schöner, heilsamer und segensreicher, wenn das Positive die Hauptaufmerksamkeit bekommt?

Ich wünsche euch allen viele „Es geht mir gut“ – Momente.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Hornissen

Im Frankenthal wurde eine Kirche geschlossen, weil sich Hornissen dort eingenistet haben. Ich habe dies im Radio auf dem Weg zur Arbeit gehört. Ein paar kleine (aber äußerst gefährliche) Insekten sorgen dafür, dass ein großes Gebäude für eine Zeitlang nicht zugänglich und nutzbar ist. Mir gefällt der Gedanke, dass auf diese Tiere, die ihre Königin schützen wollen, so sehr Rücksicht genommen wird, obwohl sie in den nächsten Tagen sterben werden.

Es ist gewissermaßen Achtung vor der Schöpfung (nicht zuletzt, weil diese Tiere unter Naturschutz stehen). Diese Hornissen bringen also das Leben in diesem Gebäude für eine gewisse Zeit zum Stillstand. Zunächst hat mich das belustigt, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Entschluss, dass es genauso sein muss. Rücksicht auf die Geschöpfe ist der Weg, den wir gehen müssen. Es sind die kleinen Dinge, die dafür sorgen, dass gutes Zusammenleben gelingt. Zwischen Natur, Tier und Mensch. Denn, wir brauchen die Tiere und Pflanzen – mehr als sie uns…

Ein Hornissenschwarm, der vielleicht zum Umdenken verholfen hat.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

 

Geduld

Kennt ihr das auch? Ein Tag beginnt und man hat schon schlechte Laune. Dabei ist gar nichts passiert. Am Nachmittag kommt eine Freundin vorbei und nimmt mich auf einen Spaziergang mit. Und plötzlich, wie aus dem Nichts ist die schlechte Laune weg.

Das war vor ein paar Tagen. Es beschäftigt mich immer noch, da ich noch genau das Gefühl kenne, als meine Laune so schlecht war. Da war dann plötzlich alles schlimm: Die Heizung, die kaputt ist, der Handwerker, der mir sagt, es lag nur an einer Einstellung (PS: am nächsten Tag lief sie wieder nicht und ich hatte doch recht, dass da mehr ist, jetzt ist ein Ersatzteil bestellt), der Radfahrer, der kein Handzeichen vor dem Abbiegen gab … alles regte mich auf. Und ich kenne mich so nicht. Ich bin sehr geduldig, aber genau an diesem Tag wurde ich von Handwerkern 3x zugeparkt. Bei den ersten beiden blieb ich noch freundlich, beim dritten habe ich gar nicht nach ihm gesucht, weil ich Angst hatte, er bekommt es dann ab. Ich bin draußen stehen geblieben (hinter dem Handwerker), hab meine Sachen ausgeladen und bin zu meinem Termin gefahren. Wieder zu Hause kam meine Freundin und schickte mich mit ihr zusammen an die Sonne.

Und genau das Gefühl ist auch noch präsent: Keine Lust auf raus und dann aber nach ein paar Schritten plötzlich: Alles nicht mehr schlimm. Ich war direkt dankbar, dass ich den 3. Handwerker nicht getroffen habe. Denn heute würde ich geduldig warten bis er wegfährt. Was sollen sie auch tun in der engen Innenstadt? Jeder braucht Hilfe und Parkplätze sind keine vorhanden. Ich bin ja froh, dass es voran geht…

Und dennoch merke ich, dass die Ungeduld und das „Dauernd-Geduld-Haben-Müssen“ an mir zehrt und zerrt. Und ich merke, dass ich dann Abstand brauche und eine Freundin, die zu mir sagt: „Wir gehen spazieren!“ Ich saß mit ihr auf der Höhe am Jugendkreuz und genoss die Sonnenstrahlen. Plötzlich war alles schön. Die Trauben, die Vögel, die Wolken und vor allem die Bewegung. Danach konnte ich zu meiner Arbeit zurückkehren und war gut gelaunt. Und als mich abends, als ich zum Messdienertreffen fahren sollte erneut zugeparkt war, hatte ich noch ein nettes Gespräch mit dem Fahrer.

Gut eine Freundin zu haben, die einem sagt, wann man raus gehen sollte! Danke C.

 

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger

Auszeiten die zweite...

Wie ich schon geschrieben habe, bin ich sehr aktiv – und kann Auszeiten mit Stille nur sehr schwer ertragen – dachte ich!

Ich habe erfahren dürfen, dass eine Auszeit nicht bedeutet, dass es still um mich sein muss, sondern es ruhig in mir werden kann…

Ich war im Wald, „im Holz“ wie man im Allgäu sagt. Mein Bruder hat als Landwirt viel Wald, der einiges an Pflege braucht. Seit Jahren hilft die Familie mit und wird mit Holz belohnt. Eine Arbeit, die auf Gegenseitigkeit beruht. Ich war also im Holz und lernte erstmal mit der Kettensäge umzugehen, ich lernte eine Kettensäge zu zerlegen, nachzutanken und zu pflegen und auch, einen Baum zu entasten und in transportfähige Stücke zu zerteilen. Die Arbeit erfordert Konzentration und – innere Ruhe. Zuhause wurde das Holz gespalten und geschichtet. Beim Aufstapeln des Holzes komme ich dann vollends zur Ruhe und den fertigen „Holzbeig“ (ich weiß wirklich nicht wie man das ins Hochdeutsche übersetzt) zu betrachten machte mich hochzufrieden.

Auszeiten können genau das sein: harte Arbeit, die einen aber aus dem Alltag holt. Für mich hatte es verschiedene Aspekte der Zufriedenheit: Da war der Wald – und wenn die Säge mal still war, war es die Ruhe und die Sonne, die durch die Bäume ein Schattenspiel auf den feuchten Waldboden warf.

Da war die Unterstützung für meine Bruder – der viel Arbeit hat und für die Hilfe dankbar ist.

Da war die Lernerfahrung – nicht nur mit dieser Kettensäge, sondern auch: Was kann ich mir zumuten? Und auch: Ich komme runter – ich entspanne, trotz körperlicher Arbeit.

Und da war natürlich die körperliche Arbeit – die fit hält und mich abends sehr müde ins Bett fallen ließ.

Dieser Unterschied: Die Stille im Kloster vor ein paar Wochen und die Arbeit im Wald. Beides Auszeiten, die mich innerlich ruhig werden ließ.

Ihre Gemeindereferentin Sabine Dettinger